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Erstellt von Daniel Becker am 14. Februar 2010

Der Vater des Brandschutzes

Friedel Scherer: Am 3. Mai 1990, wurde die Ehrung überbracht - Humorvoll und hilfsbereit

Friedel Scherer im Jahr 2006 - © Rainer Beutel - Presseservice Rhein-Main
© Rainer Beutel

Es war ein Donnerstag im April 1990. Unmittelbar vor einer Dienstversammlung der Freiwilligen Feuerwehr fiel es den Kameraden schwer, sich auf die Formalitäten zu konzentrieren. Viele plapperten durcheinander, einige wirkten nervös, andere schauten gespannt in die Runde.

Dafür gab es zwei Gründe: Ortsbrandmeister Friedel Scherer hatte angekündigt, sein Amt als Wehrführer in jüngere Hände abzugeben. Und als wäre diese Nachricht im Kreis der Brandschützer nicht schon aufregend genug, verbreitete es sich wie das sprichwörtliche Lauffeuer, dass ,,ihr" Friedel Ehrenbürger der Gemeinde Nauheim sein soll.

Am 3. Mai 1990 wurde Scherer mit der Würde bedacht - es war sein 61. Geburtstag. Das Parlament traf sich zu einer Sondersitzung, in der Bürgermeister Rudolf Zaich mit Dank und Respekt die Urkunde übergab. Das Gemeindeoberhaupt und der frühere Parlamentschef Hanno Noll hatten die Nachricht so lang wie möglich geheim gehalten. Doch es war etwas durchgesickert. Alle wussten Bescheid. Und alle waren stolz auf ,,ihren" Friedel.

Das sind die meisten Feuerwehrkameraden heute immer noch - jedenfalls jene, die den heute 80 Jahre alten Friedel Scherer noch als aktiven Feuerwehrmann erlebt haben. Sie wissen, was er geleistet hat. Formal las sich das so: Die Gemeinde bescheinigt ihm ,,außergewöhnliche Verdienste zum Wohl der Allgemeinheit".

Mittlerweile gehört Scherer seit 63 Jahren der Feuerwehr an. Seit 1960 übte er das Amt des ,,Ersten Kommandanten" beziehungsweise des Ortsbrandmeisters aus, wie es bis vor etwa zehn Jahren hieß, bevor daraus ,,Gemeindebrandinspektor" wurde.

1971 wurde Scherer Kreisbrandmeister. In dieser Funktion nahm er Aufgaben auf Zuweisung des Kreisbrandinspektors wahr. Bei der Nauheimer Wehr waren Heinrich Schupp, Wilhelm Geyer VI und Philipp Bolbach III seine Vorgänger, doch wohl keiner hatte bis zum Tag seines Verzichts auf das Führungsamt über Jahrzehnte so viel für den Aufbau des Brandschutzes unternommen wie er. In unzähligen Einsätzen behielt er die Übersicht, leitete Kameraden an, schützte, rettete und half Menschen in Not.

Zaich attestierte ihm ,,große Umsicht in der Personenführung" und den ,,notwendigen Nachdruck gegenüber den Vertretern der Kommune", wenn es darum ging, die Feuerwehrausrüstung zu verbessern. Stets aber habe sich Scherer kooperativ und bescheiden erwiesen. Als ihm am 25. Jahrestag seines Dienstes als Ortsbrandmeister die Ehrenplakette der Gemeinde und damit die zweithöchste Auszeichnung der Kommune verliehen wurde, sagte er: "Macht mir nicht so viel Zirkus um die Sache. Ich habe nur meine normale Pflicht getan."

Ältere Nauheimer kennen ihn nicht nur in Uniform: In Fastnachtssitzungen trat er als Büttenredner und singender Kraftfahrzeugmeister auf. 1987 zeigte er Humor, als er überraschend als ,,Nauheims erster Nachkerwevadder" mit Zylinder und Schärpe seinen eigenen Kerwespruch verlas. Er gilt als hilfsbereit und kinderlieb, was er stets bewies, wenn Schulklassen das frühere Feuerwehrgerätehaus in der Waldstraße besichtigten.

--> Heute lebt Friedel Scherer mit seiner Frau in der Bahnhofstraße. In der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr ist er ebenso gern gesehen wie bei offiziellen Anlässen der Gemeinde.

Text: R. Beutel – Rüsselsheimer Echo

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