Freitag, 10.09.2010 - 21:50 Uhr

von Christian Hartmann

Maßnahmen beim PKW-Brand

Autos explodieren nicht

Grill
© Archiv Feuerwehr Hage

Bei einem Fahrzeugbrand bleiben meist nur wenige Minuten zur Rettung der Insassen. Innerhalb kurzer Zeit steigen die Temperaturen im Fahrgastraum um mehr als 100 Grad an. Leider greifen aufgrund von „Ammenmärchen“ nur selten hinzugeeilte Retter in das Geschehen ein – zu Unrecht.

„Special Effects und Pyrotechnik“ aus Blockbustern zeigen genau jenes falsche Bild der Realität, was manch einer vor Augen hat, wenn er zu einem PKW-Brand in der Entstehungsphase kommt. „Kleine Flammen züngeln am Fahrzeug und binnen Sekunden geht das ganze Fahrzeug mit einem lauten Knall in Flammen auf“. Durch solche spektakuläre Effekte gefangen, stehen Ersthelfer häufig in einem gesunden Abstand zu Hilfeersuchenden und warten lieber ab bis die Feuerwehr eintrifft anstatt selbst Hand anzulegen.

Laut Tests des ADAC und der Einsatzerfahrung der deutschen Feuerwehren explodieren brennende Autos nie. Der Brand breitet sich vielmehr langsam aus, bis schlussendlich das gesamte Fahrzeug in Flammen steht. Bei einem Brand in der Entstehungsphase dauert es im Schnitt bis zu 8 Minuten, bis sich ein PKW im Vollbrand befindet – also genügend Zeit um Verletze aus dem Fahrzeug zu retten. Bei Flammen im Innenraum des PKW sollte auf die eigene Sicherheit geachtet werden und bei zu hoher Eigengefährdung auch die Rettung eingestellt werden.

Versuche des AZT (Allianz Zentrum für Technik) beweisen, dass nach etwa sechseinhalb Minuten die Temperatur im Innenraum sowie die Kohlenmonoxidkonzentration lebensbedrohlich für verletzte Insassen werden können. Somit ist oft ein Eingreifen „ziviler“ Retter dringend erforderlich.

Um Brände z.B. im Motorraum effektiv zu löschen empfiehlt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) die Motorhaube einen Spalt breit zu öffnen und mit kurzen Löschstößen in den Motorraum zu sprühen. Ganz darf die Motorhaube nicht geöffnet werden. Dadurch könnte das Feuer durch zusätzliche Sauerstoffzufuhr angefacht werden.

tl_files/Brandschutz/BSA/pkw_brand_hage1.jpgHaben Ersthelfer keinen eigenen Feuerlöscher dabei oder diesen bereits erfolglos entleert, sollte man Bus- oder LKW-Fahrer anhalten. Für Busse und Gefahrgut-LKW ist es gesetzlich vorgeschrieben einen Fünf-Kilo-Löscher mitzuführen.

Grundsätzlich gilt aber IMMER: Vor den Löschversuchen die Feuerwehr alarmieren. Nur die Feuerwehr kann bei missglückten Löschversuchen oder eingeklemmten Personen qualifizierte Hilfe leisten. Bei einem PKW-Vollbrand kann ohnehin mit einem Feuerlöscher nichts mehr ausgerichtet werden. Zudem ist die Hitzeentwicklung so groß, dass ohne Schutzkleidung kaum noch ein sicheres Arbeiten möglich ist.

Wer sich jetzt noch fragt „Und was ist mit dem Tank?“ dem bleibt zu sagen: Wenn der Tank nicht beschädigt und verschlossen ist, passiert in der Regel gar nichts. Wenn er beschädigt ist, gibt es allenfalls eine Verpuffung, keine Explosion. Durch diese so genannte „Deflagration“ brennt der Treibstoff schnell und zischend mit einer Stichflamme ab. Aus diesem Grund sollte man von einem beschädigten Tank ein wenig Abstand halten. „Knallen“ wird es nur, wenn Reifen schlagartig durch Beflammung ihren Druck verlieren oder Scheiben bersten. Hiervon geht in der Regel keine Gefahr aus.

Sollten Sie hierzu weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an den Fachbereich „Brandschutz“ der Feuerwehr Nauheim.

Feuerwehr Nauheim
Fachbereich Brandschutz

Christian Hartmann
Telefon: 06152 / 977 377
Mobil: 0176 / 22 84 54 64
E-Mail: brandschutz@feuerwehr-nauheim.de

Brandschutztipp zum Download:

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